Systemfehler mit 125 Milliarden Euro
17.01.2025 ▪ Liebe Leserinnen und Leser,
offene Immobilienfonds sind mit 125 Milliarden Euro Publikumsgeld ein absolutes Schwergewicht. Ich habe mich in den letzten Monaten sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt und dazu für die Bürgerbewegung Finanzwende eine gutachterliche Stellungnahme angefertigt. Die wichtigsten Ergebnisse finden Sie zusammengefasst in einem ausführlichen Beitrag:
- Marktstruktur: Vier Anbieter (Deka, Union, Commerz Real, DWS) dominieren den Markt der Publikumsfonds mit einem Anteil von über 80 %.
- Systematische Fehlberatung: Banken und Sparkassen empfehlen den Kauf von Fondsanteilen über Fondsgesellschaften statt über Börsen, obwohl dies oft teurer ist. Der dadurch entstandene Schaden beläuft sich bei zehn Fonds in einem näher untersuchten Zeitraum auf 1,2 Milliarden Euro.
- Angst und Unsicherheit: Große Kursabschläge zwischen Börsenkursen und Fondswerten spiegeln Unsicherheit wider. Diese Differenzen zeigen die Angst vor Verlusten und können als eine Art Forward-Preis interpretiert werden.
- Zweifelhafte Bewertungspraktiken: Trotz fallender Immobilienmärkte wurden die Immobilienportfolios der Fonds in den letzten zwei Geschäftsjahren um 1,6 Milliarden Euro aufgewertet. Dies deutet auf erhebliche Abwertungsrisiken hin.
- Ungünstiges Risiko-Chancen-Verhältnis: Offene Immobilienfonds bieten Renditen unterhalb oder auf Höhe von Staatsanleihen (0,3 % bis 2,5 %) und rechtfertigen damit keine Anlageempfehlung. Die Chancen-Risiko-Verteilung ist ungünstig.
- Hohe Kostenbelastung: 77 % der von den Fondsgesellschaften prognostizierten Erträge werden durch Kosten aufgezehrt. Die verbleibende Nettorendite von durchschnittlich 1,2 % ist unattraktiv.
- Fehlaufklärung über Risiken: Niedrige Risikoeinstufungen (1 oder 2 von 7) basieren auf vergangenen Wertentwicklungen und unterschätzen die tatsächlichen Risiken wie Volatilität und systemische Unsicherheiten.
- Vergangene Verluste: Die Betrachtung aktueller Fonds ignoriert Verluste aufgelöster Fonds. Der Morgan Stanley P2 Value erzielte beispielsweise einen Verlust von 47,7 %.
- Negative Renditen: Drei von zehn untersuchten Fonds zeigen bereits negative Jahresrenditen. Marktgerechte Abwertungen erfolgen oft erst bei Immobilienverkäufen zur Liquiditätsbeschaffung.
Bleiben Sie achtsam.
Ihr
Stefan Loipfinger

