diese Woche geht es um den Verdrängungswettbewerb bei Schwarmfinanzierungs-Plattformen sowie eine ungewöhnliche Zusammenarbeit, die mehr bedeuten könnte:
Zehn Jahre Crowdinvesting: Die Prospektbefreiung sollte den Markt öffnen – doch bis heute kämpfen viele Plattformen ums wirtschaftliche Überleben. Nur wenige haben den Break-even erreicht, Insolvenzen prägen das Bild.
Plattformrisiko unterschätzt: Der Zusammenbruch von Engel & Völkers Digital Invest zeigte drastisch, was passiert, wenn die zentrale Schnittstelle wegfällt. Tausende AnlegerInnen und zahlreiche Emittentinnen standen plötzlich ohne funktionierende Betreuung da.
Unerwartete Allianz: Aus der EVDI-Insolvenz entstand eine gemeinsame Servicinggesellschaft von Bergfürst und Exporo. Ob dahinter mehr steckt als reine Schadensbegrenzung, bleibt bislang unbeantwortet.
Branche unter Druck: Vertrauensverluste, leistungsgestörte Fundings und hohe Verluste prägen den Markt. Selbst große Plattformen suchen neue Geschäftsmodelle oder weichen auf andere Anlageklassen aus.
Konsolidierung zeichnet sich ab: Kooperationen, neue Strukturen und stille Zusammenschlüsse könnten den Markt nachhaltig verändern. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie sich die Branche neu sortiert.
Rendity ab Juni 2026 geschlossen. Plattform in Abwicklung.
Rendity wird abgewickelt
17.02.2026 ▪ Liebe Leserinnen und Leser,
die Schwarmfinanzierungsplattform Rendity kündigt eine Abwicklung an:
Plattform wird abgewickelt: Die Wiener Immobilien-Crowdfunding-Plattform Rendity stellt den Geschäftsbetrieb ein. Neue Schwarmfinanzierungen werden bereits seit April 2024 nicht mehr angeboten, nun folgt die formelle Abwicklung.
Deutliche Verluste 2024: Nach einem Gewinn von 1,1 Millionen Euro im Jahr 2023 rutschte Rendity 2024 mit knapp 1 Million Euro ins Minus. Das Eigenkapital schrumpfte binnen eines Jahres von 1,9 Mio. Euro auf rund 709.000 Euro.
Marktumfeld als Begründung: Rendity macht die Zinswende, hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie geopolitische Unsicherheiten für das Aus verantwortlich. Projektverzögerungen, Insolvenzen und sinkendes Anlegerinteresse hätten den Weiterbetrieb unmöglich gemacht.
Anlegerinnen und Anleger tragen Risiken: Laufende Investments sind qualifizierte Nachrangdarlehen mit Direktverträgen zwischen Anlegern und Projektgesellschaften. Rückzahlungen sollen laut Rendity künftig direkt durch die Emittenten erfolgen, mehrere davon befinden sich bereits in wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Klagen und Kritik: Eine Interessengemeinschaft von Anlegern klagt wegen mutmaßlich irreführender Sicherheitsversprechen. Kritiker werfen Rendity vor, seine Prüfpflichten als Finanzanlagenvermittlerin vernachlässigt zu haben.
Fadenscheiniger Rückzug: Rendity will sich aus der Verantwortung stehlen und hofft, dass die Anlegenden sich nun direkt mit den häufig nicht zahlungsfähigen Emittentinnen auseinandersetzen. Ab Juni droht das völlige Chaos, wenn voraussichtlich die Online-Zugänge abgeschaltet werden.
Soravia profitiert von Zerschlagungswerten zu Lasten ProReal Europa 9 und 10
Zerschlagungswerte begünstigen Soravia
20.02.2026 ▪ Liebe Leserinnen und Leser,
heute berichte ich über neue Unterlagen in Sachen One Group / ProReal Europa 9 und 10. Anlegerinnen und Anleger wurden auf Basis von Zerschlagungswerten abgefunden und Soravia profitiert:
Massive Verluste: Rund 9.000 Anlegerinnen und Anleger von ProReal Europa 9 und 10 müssen mit Rückflüssen von unter fünf Prozent ihres investierten Kapitals rechnen.
Blindpool ausgehebelt: Entgegen den Verkaufsunterlagen wurde das Anlegergeld vollständig an eine einzige Gesellschaft aus dem Soravia-Umfeld weitergereicht - statt Streuung entstand ein erhebliches Klumpenrisiko.
Kontrolle vollständig abgegeben: Mit der Ausreichung an die Poolgesellschaft verloren die Emittentinnen jeden Einfluss auf Auswahl, Struktur und Überwachung der einzelnen Immobilienprojekte.
Konzerninterne Verkäufe: Forderungen wurden auf Basis niedriger Zerschlagungswerte an die Aurora HoldCo. verkauft, die mittelbar zum Soravia-Konzern gehört - trotz fehlender tatsächlicher Zerschlagungen.
Streit um Verantwortung: Soravia weist Vorwürfe zurück und sieht sich für ProReal Europa 9 und 10 nicht mehr zuständig, während Anlegerinnen und Anleger das volle wirtschaftliche Risiko tragen.
Über 500 Millionen Euro flossen aus ProReal-Produkten in Soravia-Projektentwicklungen
Was Soravia verschweigt
24.02.2026 ▪ Liebe Leserinnen und Leser,
heute berichte ich erneut über Soravia. Nachdem letzte Woche bekannt wurde, wie Soravia sich durch Zerschlagungsannahmen bei ProReal Europa 9 und 10 begünstigte, kommen die nächsten Hiobsbotschaften für ProReal Deutschland 7 und die ProReal-Secure-Serie:
Tiefe Krise: Soravia steckt nicht nur bei hochriskanten Nachrangdarlehen in Schwierigkeiten – inzwischen drohen auch bei nicht nachrangigen Anleihen erhebliche Ausfälle, die bislang als unwahrscheinlich dargestellt wurden.
Laufzeitverlängerungen: Die ProReal-Secur-Gesellschaften 1 bis 4 wollen auf Gläubigerversammlungen im März 2026 die Rückzahlungstermine ihrer Anleihen um mehrere Jahre verschieben und sich zusätzliche Verlängerungsoptionen sichern.
Zinsstundungen: Neben der Laufzeit können bei Zustimmung zu den Änderungen auch Zinszahlungen zeitweise ausgesetzt und erst am Ende der verlängerten Laufzeit nachgezahlt werden – ein deutlicher Hinweis auf akute Liquiditätsprobleme.
Fehlende Transparenz: Wichtige Informationen zu finanzierten Projekten, offenen Darlehensständen und zur wirtschaftlichen Lage der Poolgesellschaften werden weiterhin nicht offengelegt, belastbare Einschätzungen sind kaum möglich.
ProReal Deutschland 7: Zwischenzeitlich werden die Verluste auch hier auf 74 Prozent beziffert.
Vertrauensverlust: Nach Verlusten von über 95 Prozent bei ProReal Europa 9 und 10 erscheint es wenig glaubwürdig, die aktuellen Maßnahmen als reine Laufzeitfrage darzustellen – vieles spricht für weitere Abschreibungen und zusätzliche Verluste.
in diesem Newsletter geht es um tausendfache Fehlberatungen von Banken und Sparkassen bei Offenen Immobilienfonds:
Fehlberatungen in Milliardenhöhe: 2025 flossen rund drei Milliarden Euro in offene Immobilienfonds zu überhöhten Preisen, obwohl identische Anteile deutlich günstiger über die Börse erhältlich waren.
Gezielte Marktstützung: Banken und Sparkassen empfahlen systematisch den teureren Kauf über Fondsgesellschaften, um eigene oder konzernnahe Fonds zulasten der Kundinnen und Kunden zu stabilisieren.
Doppelte Anlegerschädigung: Käufer zahlten überhöhte Preise und Ausgabeaufschläge, während Verkäufer wegen umgeleiteter Nachfrage schlechtere Börsenkurse erhielten.
Verstoß gegen Best Execution: Empfehlungen zu objektiv schlechteren Ausführungswegen verletzen die Pflicht zur bestmöglichen Ausführung nach MiFID II und WpHG.
BaFin ohne wirksames Eingreifen: Trotz klarer Zuständigkeit für den kollektiven Verbraucherschutz blieb ein aufsichtsrechtliches Einschreiten bislang aus.
Strukturelles Fondsproblem: Hohe Kosten, schwache Renditeaussichten und nicht marktgerechte Bewertungen machen offene Immobilienfonds für Anlegerinnen und Anleger zunehmend unattraktiv.